Mehrgenerationen-Wohnen – better together!

Das eigene Zuhause hat nicht an Stellenwert in unserem Leben eingebüsst. Nur die Art des Zusammenlebens verändert sich. Wir haben mit dem Zürcher Architekten Simon Langenegger über die zukunftsträchtige Wohnform «Mehrgenerationen-Wohnen» gesprochen.


Mitte letzten Jahres haben wir bereits über innovative Wohnformen berichtet. Heute beschäftigen wir uns mit einer bestimmten Wohnform, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: Mehrgenerationen-Wohnen. Diese Art des Zusammenlebens unterscheidet sich massgeblich vom Leben in normalen Mehrfamilienhäusern: Beim Mehrgenerationen-Wohnen liegt der Fokus einerseits auf dem Altersmix der Bewohner, andererseits unterscheiden sich auch die Wohneinheiten von klassischen Wohnungen, denn sie sind so ausgelegt, dass sowohl Einzelpersonen als auch Paare komfortabel darin leben können.



Was heisst dies nun konkret? «Bei dieser Wohnform wird grosser Wert auf soziale Austauschmöglichkeiten gelegt», erklärt Architekt Simon Langenegger, der mit seinem Team die Überbauung Obstgarten in Gattikon geplant und realisiert hat. «Wir haben daher versucht, möglichst viele Begegnungsorte im Wohnhaus zu schaffen.» Neben privaten Wohnungen gibt es so auch Räume im Haus, welche die Bewohner dazu einladen, zusammenzutreffen und sich im Alltag zu begegnen. «Im Obstgarten in Gattikon haben wir die einzelnen Wohneinheiten kleiner gestaltet, das heisst aber nicht, dass die Bewohner auf Komfort verzichten müssen! Bei der Küche zeigt sich dies am besten: Wir haben diese bewusst auf das Notwenigste heruntergebrochen: Es gibt einen Herd, einen Kühl- und Gefrierschrank, einen kleinen Geschirrspüler sowie einen kleinen Backofen», erläutert der Architekt. «Eine solche Küche nimmt nicht viel Platz ein und genügt für einen Ein- bis Zweipersonenhaushalt im Alltag vollständig. Zusätzlich befindet sich nämlich im Mehrgenerationenhaus Obstgarten eine grosszügige Gemeinschaftsküche mit Wohn- und Esszimmer, in der bei grösseren Einladungen oder eben beim Wunsch nach Gemeinschaft mit anderen Bewohnern gekocht und gegessen werden kann.»




Warum baut man denn so? «Unsere Gesellschaft wird immer älter, es gibt immer mehr Einpersonenhaushalte und durch die Verdichtung weniger Platz für grosse Wohnungen – das zeigt sich vor allem in den urbanen Zonen hier in der Schweiz», erklärt Simon Langenegger. «Mit dem Mehrgenerationen-Wohnen findet ein Umdenken statt.» Menschen, die ihre Privatsphäre schätzen, finden genügend Rückzugsmöglichkeiten, aber auch ein soziales Gefüge, auf das sie zählen können. «Diese Wohnform stellt auch für viele unserer älteren Mitglieder in der Gesellschaft eine attraktive Option dar, um den Umzug ins Altersheim um ein paar Jahre hinauszuzögern, denn dank der Unterstützung durch die jüngeren Mitbewohner können sie länger selbstständig wohnen.» Und wie kommt dieses Angebot auf dem Wohnungsmarkt an? «In der Siedlung Obstgarten wurden klassische Wohnungen zur gleichen Zeit ausgeschrieben wie die des Mehrgenerationenhauses. Überraschenderweise war das Interesse an Letzteren viel grösser – diese gingen weg wie warme Brötli!», meint der Architekt schmunzelnd.



Wir sind gespannt, wie diese Entwicklung weitergehen wird, und zeigen euch bald schon, wie sich die Bewohner des Mehrgenerationenhauses Obstgarten in Gattikon treffen und gemeinsam die Gemeinschaftsküche einweihen!